DVZ – Bericht vom 14.07.2017

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Wie Peter Minichmayr zum Perfektionisten in der Möbel- und Kunstlogistik geworden ist
Von Wilfried Schneider

Still sitzen und Studieren ist nicht Peter Minichmayrs Ding – darüber waren sich seine Eltern und Lehrer früh einig. Also absolvierte er eine Lehre zum Speditionskaufmann. Damals noch nicht ahnend,dass er Chef eines Marktführers im Nischensegment der Möbelspediteure werden würde.

„Über Vermittlung meines Vaters, der Versandleiter bei BASF Österreich war, landete ich anschließend beim Speditionskonzern Intercont“, berichtet Minichmayr. Glücklich wurde er dort zunächst nicht – ihm mangelte es an herausfordernden Aufgaben. Nach vorübergehendem Abgang betreute er jedoch weltweite Projektverkehre. „Trotzdem merkte ich bald, dass ich mich in kleineren Strukturen wohler fühle.“ So kehrte er in seinen Lehrbetrieb, die Spedition Vacek, zurück, wo er 1986 zum Geschäftsführer aufstieg. Zwischen 1992 und 1994 engagierte er sich als Projektleiter beim Aufbau des Stückgutnetzwerks Systempo. „Ich war nie ein typischer Karriere-Jobhopper“, betont Minichmayr. „Wenn ich wechselte, dann wegen höherer Herausforderungen.“
Oder zur Gründung seines eigenen Unternehmens: „Wir haben festgestellt, wie schwer das Möbelmetier ist.“ Nichts als schleppen, und auch das Risiko ist hoch. Doch genau das zu perfektionieren, war Minichmayrs Initialzündung. Mit diesem Ziel startete er 1994 das Unternehmen Frachtmeister mit Firmensitz in Wiener Neudorf.

Sich selbst sieht er als geborenen Entwickler mit leichtem Hang zum Understatement. Ist ein Projekt aber marktreif, betritt er geräuschlos die Bühne: „Ein Aspekt unseres Erfolges beruht darauf, in den ersten Jahren vom Wettbewerb kaum wahrgenommen zu werden.“ Aus dem Systemverkehr kommend, ließen ihn die Platzhirsche auch links liegen. Heute ist sein Unternehmen Frachtmeister nach eigenen Angaben Marktführer unter Österreichs Möbelspediteuren. Und besitzt rund 20.000 m² nutzbare Grundfläche rund um den Firmensitz.

Viele Köche verderben den Brei Seinen Führungsstil bezeichnet der Alleineigentümer und CEO als veränderlich. „In den Anfangsjahren kann nur einer bestimmen, und die anderen führen das eben aus“, sagt Minichmayr. Personalpolitisch setzt er auf langjährige Dienstverhältnisse. Vom systematischen Abwerben vom Wettbewerb hält er nichts: „Wir bilden lieber unsere eigenen
Spezialisten aus und kaufen nur sporadisch Fremdleistungen zu.“ Etwa bei Großprojekten, denn bei Privatumzügen blieb es nicht lange. „Das ist die Butter auf dem Brot, von der man länger zehren und sein Unternehmen vorwärts bringen kann. Sofern man sich nicht verrechnet, betont Minichmayr. Denn der Weg ist steinig. Nicht zuletzt deshalb verschwinden viele wieder, noch bevor sie richtig begonnen haben. Oder mutieren zu jenen wenigen schwarzen Schafen, die eine Vertrauensbranche in Verruf bringen. Ein Umstand, der Minichmayr so richtig auf die Palme bringt. „Das geschieht sonst eigentlich nur, wenn mein Ball nicht dorthin fliegt, wo ich ihn haben will“, erklärt der passionierte Golfer.

Kürzer treten will gelernt sein. Eine schwere Krankheit, die ihn monatelang vom Unternehmen fernhielt, zwang Minichmayr 2014 zum Umdenken. „Wenn man in einen Operationssaal geschoben wird, ist das ein Moment, wo einem nicht nur das Hemd näher ist als der Rock. Zumindest ich zog da eine Blitzbilanz“, erzählt Minichmayr. Mit dem Resümee, rückblickend nicht viel anders machen zu wollen. „Delegieren musste ich erst lernen und mich langsam daran gewöhnen, dass nicht alle Mitarbeiter die gleichen Lösungswege gehen wie ich.“

Mittlerweile ist er wieder vollständig gesund, widmet sich jedoch mehr dem strategischen als dem operativen Geschäft. Die Zügel ein wenig zu lockern kann sich Minichmayr allemal leisten. Denn sein Unternehmen steht auf breiten Beinen, bietet neben Umzugsservice auch Kühl-, Pharma-, Schwer- und Hightech-Transporte. Zudem ist Frachtmeister zertifizierter Kunstspediteur

Ein Aufgabenspektrum, das auch Sohn Lukas zum Einstieg in das Unternehmen bewegte. „Qualität muss verifizierbar sein“: Dieser Maxime folgt Minichmayr seit Jahren unbeirrbar – sowohl im Unternehmen wie beim Österreichischen Möbeltransportverband (ÖMTV). Dessen Präsident ist er seit Jahresbeginn. „Im Unternehmen gilt es, konstruktive Kritik einzufordern“, betont Minichmayr. „Jeder Kunde soll standardisiert eine kritische Beurteilung abgeben.“ Als offizieller Interessenvertreter aller geprüften und international zertifizierten Übersiedlungsanbieter Österreichs liegt ihm eine deutliche Abgrenzung zur Masse der Kleintransporteure am Herzen. Deshalb setzt er sich auch für die Schaffung einer „Umzugs-Kasko“ ein, um den Endkunden für alle Fälle schadlos zu halten.

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